Kirche Herz Jesu

Der von Christoph Hehl geplante und 1908 geweihte Bau gehört zu den im Original erhaltenen Sakral bauten des Historismus in Berlin. Der angesehene Baumeister (1847-1911) hatte seit 1894 die Professur für Mittelalterliche Baukunst an der Königlich Technischen Hochschule in Charlottenburg inne und baute sieben katholische Kirchen im kaiserzeitlichen Berlin, die sich alle durch den souveränen Umgang mit Vorbildern aus der christlichen Baugeschichte auszeichnen. Der Zehlendorfer Bau entstand im Zuge der Expansion des Dorfes um 1900 und des Zuzuges vieler Katholiken, die einen würdigen Gottesdienstort brauchten.

Der Außenbau mit kräftigem Portalturm in gotischen Stilformen ist historisierend-bildhaft angelegt mit lebhaftem Wechsel von Ziegelwerk und hellen Putz flächen, Ornamenten und Fachwerk. Der Innenraum ist eine zweischiffige Halle mit Wandpfeilern und drei polygonalen Chorräumen.

Eine ungewöhnliche Idee des Baumeisters ist die Säule in der Mitte, die den Raum in vier gleiche Teile gliedert. Dort sind hoch oben die lebensgroßen Bronzefiguren der „Zehlendorfer Muttergottes“ platziert, ein hl. Joseph und zwei musizierende Engel, von Josef Limburg. Die gesamte Erstausstattung der Herz-Jesu-Kirche, an der viele berühmte Werkstätten jener Zeit beteiligt waren, mit Hauptaltar und zwei Seitenaltären, farbigen Fenstern, Kanzel mit Reliefs und kostbaren Wandteppichen ist erhalten geblieben und zeigt den neugotischen Raum als stimmungsvollen Farbraum in der Tradition des späten 19. Jahrhunderts.
Dr. Christine Goetz