Pastoraler Raum Berliner Südwesten – Pastoralkonzept – 5.6.2019

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Patrozinium

Der Pastorale Raum wird zukünftig eine eigene Pfarrei, ohne dass die bisherigen Gemeinden aufgegeben werden. Die Pfarrei soll den Namen Don Bosco tragen.

Wie in der Sozialraumanalyse dargelegt wird, gibt es vor allem im Westen des Pfarrgebiets viel Wohnraum mit großzügigen Wohnflächen und gehobener Ausstattung. Es scheint an nichts zu fehlen, doch in vielen Haushalten ist die Verbindung zu Kirche, Glauben und Religion entweder gar nicht mehr vorhanden oder nur schwach ausgeprägt. Daher soll auch das vorgeschlagene biblische Leitmotiv als zentrale Mission der neuen Pfarrei deutlich machen, dass wir suchen, wo Jesus wohnt.

Von Don Bosco gibt es u.a. das Zitat „Kinder sind Edelsteine, die auf der Straße liegen. Sie müssen nur aufgehoben werden, und schon leuchten sie“. Don Bosco widmete sein Leben der „Rettung der Jugend“. Dieses Motto trifft in der heute zunehmend säkularen Welt mehr denn je zu. Wenn wir Kinder und Jugendliche für den Glauben gewinnen, wird sich das Gemeindeleben in naher Zukunft verändern. Dieser Gedanke findet sich auch in der pastoralen Schwerpunktbildung wieder.

Don Bosco hatte eine große Begabung, auf Menschen zuzugehen und sie für sich und über sich für den Glauben zu gewinnen; er wird als fröhlich, witzig, heiter und immer wohlwollend geschildert. Don Bosco hat in seinen Häusern unzähligen Jugendlichen eine Heimstatt gegeben. So auch über 50 Jahre bis zur Schließung 2005 im Don Bosco Heim in Wannsee. Wir wollen dem Glauben von Kindern und Jugendlichen eine Heimstatt geben.

Damit der Glaube auch im Berliner Südwesten Raum gewinnen kann, brauchen wir die Offenheit und Begeisterungsfähigkeit, wie sie Don Bosco hatte. Daher stellen wir unser Wirken unter sein Patronat.

Biblisches Leitmotiv

„Meister wo wohnst du? – Kommt und seht!“ (Joh 1, 37 – 39): Wir wollen ausstrahlen, dass Jesus bei uns wohnt.

Gemäß dem Biblischen Leitmotiv sowie dem Wort der deutschen Bischöfe „Gemeinsam Kirche sein“, sind wir gerufen, zur Erneuerung der Pastoral zusammenzuwirken, so auch im Berliner Südwesten. 
(„Gemeinsam Kirche sein“. Wort der deutschen Bischöfe zur Erneuerung der Pastoral / hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. – Bonn 2015. – 57 S. – (Die deutschen Bischöfe; 100) )

Entsprechend den Worten des Apostels Johannes sowie dem Vorwort von Kardinal Marx zum o. g. Dokument (S. 5) nehmen wir die aktuelle Herausforderung an. Wir wollen ausstrahlen, dass Jesus bei uns wohnt. Doch gleichzeitig sind wir stets auch Suchende. So sind wir gehalten,

  • die Kommunikation nach innen und außen zu verstärken, missionarische Kirche, auch über Pfarr- und Konfessionsgrenzen hinweg, zu sein,
  • die Teilhabe an den Sorgen der Menschen, vor allem derer, die am Rande stehen, zu
    verstärken, sowie
  • eine möglichst große Beteiligung vieler an der Gestaltung des kirchlichen Lebens zu
    erzielen.

Als zentrale Leitlinie des Aufrufs der Bischöfe steht für das beziehungsorientierte Leben unserer Kirche die „Communio“. Wir wollen eine offene Kirche sein, einladend und entgegenkommend, gemeinsam mit den Menschen unterwegs, den Christus im Gegenüber erkennen sowie im Austausch darüber, wo Jesus bereits gefunden wurde.

Einführung

Der Pastorale Raum reicht vom dünnbesiedelten Süd-Westen (Wannsee) bis zur Bezirksgrenze Steglitz/Lankwitz. Die Einkommen der Bevölkerung liegen über dem Berliner Durchschnitt und werden nur von Charlottenburg-Wilmersdorf übertroffen. Wohnen spielt in diesem Pastoralen Raum eine große Rolle, so gibt es vor allem im Westen der Pfarrei einen hohen Anteil an Einfamilienheimen mit einer meist höheren Wohnfläche pro Einwohner. Im Zuge des Umzugs der Bundesministerien von Bonn nach Berlin wurden im gesamten Pastoralen Raum Neubauprojekte für die zuziehenden „Bonner“ Beamten gebaut. Dabei war der Anteil zuziehender katholischer Familien sehr hoch, was die Gemeindestrukturen positiv belebt hat. In absehbarer Zeit wird es keine größeren Wohnungsbauvorhaben mehr geben, so dass der Bevölkerungsanteil stabil bleiben wird. Der Pastorale Raum verfügt über eine mittel- bis langfristig ausgewogene Altersstruktur. Dennoch ist die Einwohnerschaft im Umbruch. Die Jugendlichen ziehen häufig zur Ausbildung bzw. Studium aus der elterlichen Wohnung um in Berliner Innenstadtbezirke oder in andere Orte. Dennoch ist oftmals ein Wiederzuzug zum Zwecke der Familiengründung festzustellen: Junge Familien ziehen oftmals im Alter zwischen 20 und 30 Jahren in die Häuser und Eigentumswohnungen ihrer Eltern oder Großeltern nach deren Tod oder Auszug in altersgerechtes Wohnen.

Knapp 20 Prozent der Bevölkerung des Pastoralen Raums sind unter 20 Jahre alt. Über 55 Prozent der Einwohner sind über 45 Jahre alt (Amt für Statistik 31.12.2017). Diese Altersgruppe ist im Raum sesshaft und zieht i.d.R. nur innerhalb des Bezirkes um. Die Beschreibung als bürgerliche Mittelschicht drückt sich auch in der kirchenmusikalischen Gottesdienstgestaltung aus; so wird in allen Gemeinden ein besonderer Wert auf Orchestermessen, musikalische Andachten und Kirchenkonzerte, auch unter Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen, gelegt.

Die Sozialstruktur des Pastoralen Raums wirkt sich direkt auf die Kinder- und Jugendarbeit aus: Der Großteil der Schülerschaft besucht Gymnasien, so dass die durch „G8“ verkürzte Schulzeit mit weit in den Nachmittag hineinreichenden Unterrichtszeiten sowohl die jugendlichen ehrenamtlichen Kräfte als auch die teilnehmenden Kinder- und Jugendlichen einschränkt. Außerdem besteht eine Konkurrenzsituation zu den kirchlichen Angeboten durch außerschulische Freizeit- und Bildungsaktivitäten, die von Kindern aus wohlhabenden und bildungsorientierten Familien in hohem Maße genutzt werden. Eine Herausforderung besteht auch darin, dass die Beteiligung in der Jugendarbeit häufig abrupt durch den früheren Schulabschluss nach der 12. Klasse, sich daran häufig anschließende Auslandsaufenthalte und den studienbedingten Umzug in andere Städte endet.

Auf der anderen Seite leben Studierende im Pastoralen Raum für die Zeit ihrer Ausbildung. Sie studieren in der Freien Universität, der evangelischen Hochschule Berlin und dem Universitätsklinikum, auch sind viele Berliner Studentenverbindungen im Pastoralen Raum beheimatet.

Der Westen des Pastoralen Raums ist durch Freizeitaktivitäten im Grunewald und auf dem Wannsee geprägt, die nicht nur sporadisch erfolgen, sondern durch feste Vereinsheime, insbesondere entlang des Wassers, regelmäßige Besucher anziehen.

Gemeinden und Orte kirchlichen Lebens

Die neue Pfarrei besteht aus den bisherigen Gemeinden. Eine Gemeinde erfüllt folgende drei Merkmale: Soziales Handeln, Weitergabe des Glaubens und Gottesdienst. Bestandteil unserer Pfarrei Don Bosco sind die Gemeinden Herz Jesu, St. Otto, Heilige Familie, St. Annen, Zu den hl. Zwölf Aposteln und St. Michael.

Neben vielen unterschiedlichen Aktivitäten haben die Gemeinden folgende Schwerpunkte:

  • In der Herz Jesu Kirche wird besonders die Liturgie gepflegt. Kirchenmusik und liturgische Dienste haben einen hohen Stellenwert. Durch die St. Ursula Schule und die Kindertagesstätte „Josefshaus“ sind junge Familien einbezogen.
  • Die Gemeinde St. Otto liegt in einem Siedlungsgebiet mit einer größeren Anzahl an Reihenhäusern. Die Kita St. Otto, der Pfadfinderstamm St. Otto und viele Gruppen prägen das Gemeindeleben. In diesem Jahr eröffnet der „Wohnpark St. Otto“, errichtet vom Petrus Werk. Der hier vor zwei Jahrzehnten gegründete Kreis der Dekanatsfrauen Zehlendorf strahlt mittlerweile als bereicherndes Netzwerk „Frauen im Pastoralen Raum Berliner Südwesten“ weit in alle Gemeinden hin aus.
  • Die Gemeinde Heilige Familie hat in der Vergangenheit infolge der Etablierung des Bundestages in Berlin umfassenden Zuzug junger Familien in neu geschaffenes Wohneigentum erfahren. Dem stetigen Engagement von Eltern verdankt die Gemeinde eine rege Kinderkirche parallel zur Sonntags-Messe. Ferner strahlt die kirchenmusikalische Aktivität weit über die Bezirksgrenzen hinaus, indem nach Wegfall der Kirchenmusikerstelle die Leitung des Chores seit mittlerweile zehn Jahren durch einen von den Chormitgliedern in Eigenfinanzierung verpflichteten Kirchenmusiker ausgeübt wird.
  • Die Gemeinde St. Annen liegt inmitten eines Wohngebietes, nahe einer stark frequentierten innerstädtischen Einkaufsstraße. Das geistige Leben wird durch einen kleinen Stamm alteingesessener ehrenamtlicher Kräfte in engmaschiger Abstimmung mit den hauptamtlichen pastoralen Kräften vor Ort gepflegt. Zudem prägt die Kita St. Annen mit ihrem aktiven Eltern-Förderkreis das Gemeindeleben, insbesondere durch die (Mit-) Gestaltung diverser Festgottesdienste im Jahreskreis.
  • Das heraushebende Merkmal der Gemeinde „Zu den hl. Zwölf Aposteln“ ist eine von jungen Eltern getragene besondere Gestaltung der Kinderliturgie. In der näheren Umgebung der Gemeinde befindet sich ein großes Studentenwohnheim.
  • Die Gemeinde „St. Michael“ ist geprägt von einem Förderverein, in dem ein kleiner Kreis von engagierten Gemeindemitgliedern für ein lebendiges Gemeindeleben eintritt.

Die Pfarrei Don Bosco umfasst neben den genannten Gemeinden, die englischsprachige Gemeinde All Saints sowie viele Orte kirchlichen Lebens.

  • In All Saints werden als Nachfolgerin der amerikanischen katholischen Gemeinde in der ehemaligen American Community Chapel englischsprachige Gottesdienste gefeiert. All Saints wird von vielen Familien besucht, deren Kinder in die Kennedyschule gehen daher die extra-territoriale Zugehörigkeit zur Pfarrei.

ie Orte kirchlichen Lebens zeichnen sich durch eine „identitätsstiftende Spiritualität“ und eine spezifische „gemeinsame Sendung“ aus; Sie agieren eigenständig und sind zugleich kirchlich (Anlage).

Geistliches Leben nach innen und außen

Liturgia – gottesdienstliches Tun:

Die sonntägliche Eucharistie ist die Feier, in der die Einheit der vielen verschiedenen Charismen in der Kirche immer wieder von neuem sakramental vertieft wird. In jeder Kirche der Pfarrei wird mindestens eine sonntägliche heilige Messe gefeiert. Darüber hinaus werden in jeder Kirche viele – auch werktägliche – gottesdienstliche Formen gefördert und entwickelt (z.B. Maiandacht, Rorate-Messen, Bibelteilen etc.). Hierzu werden Gottesdienstbeauftragte kontinuierlich ausgebildet und begleitet.

In Anlehnung an die Ausführungen zur Sozialraumanalyse sollen die vielfältigen Formen der Kirchenmusik (Chöre, Choralschola, Familienmusik) lebendig erhalten bleiben. Sie sind ein Mittel der Verkündigung des Evangeliums, das nicht allein Gemeindemitglieder erreicht, sondern auch zahlreiche vordergründig an Kultur interessierte Menschen im Sozialraum und über die Pfarreigrenzen hinweg. Die Finanzierung von Chorleitern durch Eigenbeiträge von Gemeindemitgliedern, regelmäßig stattfindende, kostenintensive geistliche Konzerte sowie Orchestermessen unter Heranziehung von externen Instrumentalist*innen und Solist*innen setzt eine hohe Bereitschaft zur finanziellen Beteiligung der Gemeindemitglieder bzw. Gottesdienst- und Konzertbesucher*innen sowie die Unterstützung durch die vorhandenen Stiftungen/Vereine voraus. Dies gilt es weiterhin zu erhalten, um auch in Zukunft den Dienst der Verkündigung durch die Musik zu ermöglichen. Die Stelle für den Kirchenmusiker soll erhalten bleiben und wenn möglich aufgestockt werden. Die bisherige Unterstützung durch die Organisten soll beibehalten werden.

Es wird angestrebt, in allen Kirchen der Pfarrei möglichst täglich ein geistliches Angebot anzubieten. So sind wir eine lebendige Kirche. Soweit die Angebote nicht durch Priester in Form der Messfeier möglich sind, sollten Gottesdienstbeauftrage regelmäßige Wortgottesdienste, Angelus oder das stille Gebet anbieten. Auch kurze Sequenzen geistlicher Musik können zum geistlichen Angebot gehören.

An jedem Kirchenstandort soll regelmäßig ein von und mit Jugendlichen gestalteter Gottesdienst (wie z.B. Praise & Pray in St. Otto) oder ein Gottesdienst mit modernem geistlichen Liedgut stattfinden.

Gemäß unserem biblischen Leitmotiv: „Meister wo wohnst du? – Kommt und seht!“, wird angestrebt, für jede Kirche tägliche Öffnungszeiten anzubieten.

Diakonia – Zeugnis der Nächstenliebe

Die Verbundenheit mit Christus zeigt sich, wo wir auf andere Menschen zugehen und uns für alles Menschliche öffnen. Dazu gehören die Kitas, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und für Senioren, behinderte Menschen und die Krankenhäuser. Wir sind bemüht, in weiteren Einrichtungen regelmäßige Wortgottesdienste zu feiern. Auch soll das Angebot, den kranken Menschen die Kommunion zu bringen, Teil unserer Zielstellung sein. An jedem Kirchenstandort ist geplant, einmal jährlich einen Gottesdienst speziell für kranke Menschen mit Austeilung der Krankensalbung zu feiern. Bei sechs Kirchenstandorten findet so jeden zweiten Monat ein spezieller Gottesdienst für kranke Menschen statt.

Die schon vorhanden Ansätze eines ehrenamtlich organisierten Fahrdienstes sollen ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang wird der Kirchenvorstand aufgefordert, sich um einen Boni-Bus (aus Spendenmitteln des Bonifatiuswerks) zu bemühen, mit dem kranke Menschen zur Kirche gefahren werden können, sodass niemand ausgeschlossen bleibt.

Es wird angestrebt den Begrüßungsdienst (wie z. B. in St. Otto) und die Möglichkeiten für Kontaktaufnahme nach dem Gottesdienst auszuweiten.

Solange Bedarf besteht, werden die Gemeinden die Arbeit für Geflüchtete (z.B. Zusammenarbeit mit Flüchtlingsunterkünften, Übernahme von Paten- bzw. Vormundschaften etc.) weiter fortführen und miteinander vernetzen. Auch die Vernetzung im Sozialraum ( Caritas, Mittelhof e. V. ) soll weiter fortgeführt werden.

Martyria – Glaubensweitergabe in Wort und Tat

Im Leben und Handeln der Kirche soll sich fortsetzen, was Jesu Lebenswerk war, nämlich die Gemeinschaft mit Gott allen Menschen anzubieten – in Wort und Tat.

Ein wichtiger Bestandteil unserer Pfarrei ist die Kinder- und Jugendarbeit mit zurzeit ca. 160 Erstkommunionkindern und 80 Firmlingen pro Jahr, religiösen Kinder- und Jugendwochen sowie Fahrten (siehe auch Kapt. Pastorale Schwerpunktbildung). Auch die Kinderchor-Arbeit erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Kinder-, Jugend -und Generationenprojekte, Angebote für Neuzugezogene, Taufeltern und Eltern von Erstkommunionkindern sollen ausgebaut werden. Einmal im Jahr werden alle Täuflinge des letzten Jahres mit ihren Familien zum Gottesdienst mit anschließendem Gemeindekaffee eingeladen.

Es wird eine enge Zusammenarbeit mit den christlichen Religionslehrer*innen an den öffentlichen Schulen angestrebt. Die Vernetzung zu den Gemeinden soll beispielsweise durch mit den Schüler*innen im Unterricht vorbereitete Rorate Messen, Rosenkranz- oder Kreuzwegandachten erfolgen. Zusätzlich zu den Einschulungsgottesdiensten für Schulanfänger ist geplant, alle Neueingeschulten und ihre Eltern im Übergang von der Grund- zur Oberschule zu einem Wochen- oder auch Sonntagsgottesdienst einzuladen. Eine Bindung der Schüler*innen an die Gemeinde kann auch durch deren Vorbereitung spezieller Fürbitten oder die Einbeziehung als Lektoren sowie musikalisch erfolgen. Das gilt sowohl für die Grund- als auch die Oberschule. Die Durchführung der Schülertage an kirchlichen Feiertagen unter der Woche, bei denen die katholischen Kinder schulfrei bekommen, soll in Kooperation mit den Religionslehrer*innen und den Gemeindereferent*innen weiterentwickelt werden.

Ökumene und interreligiöser Dialog

Die Gesellschaft in Berlin, auch im Berliner Südwesten ist eine säkularisierte und weltanschaulich plurale Gesellschaft, in der viele Menschen mit dem christlichen Glauben nicht mehr viel anfangen können. Daher ist es wichtig, dass sich die christlichen Kirchen vernetzen, gemeinsam auftreten und die Botschaft des Evangeliums ausstrahlen. Um dies bewerkstelligen zu können muss es gemeinsame Aktionen geben, denn nur wenn man sich kennt, kann man gemeinsam überzeugen. Gemeinsame Pfarrei übergreifende Initiativen wie Passionsandachten, Taizéandachten, ökumenische Bibelwoche, ökumenische Gemeindeausflüge wie z.B. mit dem Rad von Kirche zu Kirche, ökumenischer Jugendtag, ökumenischer Seniorennachmittag werden fortgesetzt und ausgebaut.

Für konfessionsverbindende Paare werden regelmäßige Gesprächsabende, Treffen und gemeinsame Aktionen (z.B. Ausflug zum Kloster Neuzelle) angeboten. Bei den Gottesdiensten wird die Kommunion auch dem nicht-katholischen Ehepartner, im Einklang mit der Handreichung zur Kommunionsteilnahme der Deutschen Bischofskonferenz, gespendet.

An den Weltgebetstagen wird regelmäßig teilgenommen.

Neben den Ökumenischen Begegnungen stehen gleichwertig der interreligiöse Dialog, das heißt insbesondere die Begegnung und der Dialog mit Juden und Muslimen. Ein Schwerpunkt wird zunächst der Dialog über die Flüchtlingsarbeit sein. Migranten willkommen zu heißen ist dabei nur der erste Schritt, der nächste Schritt besteht darin, Räume bereitzustellen und Aktivitäten anzubieten, durch die die Integration und der interreligiöser Dialog gefördert werden. Wir betrachten den Dialog als eine Pflicht und Herausforderung gleichermaßen. Wir wollen den Menschen respektvoll begegnen und sie in ihrer Verschiedenheit kennenlernen und uns mit ihnen austauschen. Dies soll ein aktiver Prozess werden, denn nur wo miteinander gesprochen wird, erfahren wir etwas über den Glauben des anderen und können dessen Verhalten verstehen. Für uns ist ein friedliches Miteinander im Zusammenleben wichtig, das gilt insbesondere für die Kinder und Jugendlichen der Migranten (über den Religionsunterricht, die Schulen und die Freizeitaktivitäten) aber auch für religionsverschiedene Ehen, denen wir uns ebenfalls im Dialog verbunden fühlen wollen.

Pastorale Schwerpunktbildung: Kinder, Jugend und Generationenprojekte

Wir wollen den Kindern und Jugendlichen in unserer Pfarrei eine Heimstatt geben. Die Aktivitäten in den Gemeinden in den „klassischen“ Formen der Kinder-, Jugend- und Familienpastoral insbesondere in den Feldern:

  • Kinder- und Familienliturgie,
  • Sakramentenkatechese (Hinführung zu Bußsakrament, Erstkommunion und Firmung),
  • Kinder- und Jugendgruppen (in Herz Jesu / St. Otto u.a. unter dem Dach der
    Pfadfinder),
  • Jugend- und Familienfahrten (RKJW),
  • Dreikönigssingen,
  • Veranstaltungen für Schulkinder an den katholischen Feiertagen sowie
  • Religiöse Kinderwochen

sollen weiter fortgeführt und weiter ausgebaut und – wo sinnvoll – gemeindeübergreifend vernetzt werden.

Die Zusammenarbeit der Pfarrei mit den fünf Kindertagesstätten in katholischer Trägerschaft, das Haus Pius XII (Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung), die katholische Grundschule St. Ursula sowie die Sancta Maria Schule der Hedwigsschwestern (Förderschwerpunkt „Lernen“ und „geistige Entwicklung“) soll verstärkt werden.

Das Aufgabenfeld Kinder/Jugend/Familie stellt einen wichtigen Bereich der Pastoral in der Pfarrei dar. Für die besondere Unterstützung der Kinder-/Jugend- und Familienarbeit ist ein gesonderter Stellenanteil einzuplanen.

Es werden Angebote geschaffen, die weniger eine zeitliche Verpflichtung von Seiten der Jugendlichen benötigen, sondern stärkeren „Event- oder Block-Charakter“ haben (vgl. Familienchor in St. Otto – spontane Treffen kurz vor dem Gottesdienst).

Die familienliturgischen Angebote haben in mehrfacher Hinsicht einen hohen Stellenwert:

  • Hinführung der Kinder an den christlichen Glauben
  • die religiöse Bildung der Eltern und
  • Bindung der Familie an die Gemeinde

Um das Angebot für Familien im Pastoralen Raum sichtbar zu machen, aber auch weil Familien i.d.R. hohe Mobilität besitzen, sollen familiengeeignete Sonntagsgottesdienste auf einer Pfarrei-Übersicht besonders gekennzeichnet werden. So wird die Schwelle junger Eltern gesenkt, mit ihren Kindern in die Gottesdienste zu gehen. Diese Übersicht wird den Eltern aller Täuflinge gemeinsam mit den Taufunterlagen übergeben.

Eltern sollen stärker in die Kommunionvorbereitung mit einbezogen werden. Ein entsprechendes Konzept wird derzeit in Herz Jesu erprobt. Die Evaluationsergebnisse werden in die zukünftigen Planungen einbezogen.

Durch eine gemeindeübergreifende Vernetzung der Angebote in der Firm-Katechese sollen Synergien geschaffen und die Bandbreite und die Attraktivität für die Zielgruppe erhöht werden.

Die Ministrantenarbeit soll ebenfalls gemeindeübergreifend durch einen Pfarrvikar, bzw. eine Pastoral-/ Gemeindereferentin stärker begleitet und unterstützt werden. An einem oder zwei Wochenenden soll zusätzlich eine gemeinsame Fortbildung der Ministranten mit liturgischem Schwerpunkt, aber auch zum gegenseitigen Kennenlernen stattfinden.

Um die Vernetzung der Jugendarbeit in der Pfarrei zu ermöglichen und das Angebotsspektrum zu erweitern, wird ein eigenes Gremium eingerichtet. Diesem gehören der/die hauptamtliche für den Jugendbereich zuständige Mitarbeiter*in sowie ein bis zwei jugendliche Ansprechpartner*innen aus jeder Gemeinde an. Das Gremium trifft sich mindestens vierteljährlich. Im Pfarreihaushalt wird ein Haushaltsposten explizit für gemeindeübergreifende Aktionen der Jugendlichen eingeplant. Die Schwerpunktangebote einiger Gemeinden (z.B. Pfadfinder in St. Otto und altersspezifische Gruppen in Heilige Familie) sollen beibehalten und ausgebaut werden und stehen Jugendlichen aus der gesamten Pfarrei offen.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Pfarrei sind die Angebote für Senioren sowie für Kranke und Menschen mit geistigen Behinderungen.

Wir planen in jedem Kirchenstandort regelmäßige Gottesdienste speziell für kranke Menschen, ggf. mit Austeilung der Krankensalbung zu veranstalten. Auch soll das Angebot, den kranken Menschen die Kommunion zu bringen, Teil unserer Zielstellung sein.

Die Seniorenarbeit soll „modernisiert“ werden. Senioren sind heute länger mobil und agil als in früheren Jahren, weshalb die bisherigen Konzepte, vormittags Gottesdienst, anschließend gemütliches Beisammensein, nicht aufgegeben werden sollen. Diese sind aber nicht mehr ausreichend. Für Senioren sollen adäquate Gruppenangebote, z.B. Bewegungstrainings, Tanzen, gemeinsame Theaterbesuche, Kiezspaziergänge oder ähnliches angeboten werden. Dies kann, je nach Aktivität, gemeindeübergreifend angeboten werden. Der wöchentliche Mittagstisch in St. Otto soll beibehalten und ggf. auf weitere Gemeinden ausgedehnt werden.

Darüber hinaus ist geplant, eine Fahrrad-Rikscha (ein Elektro-Dreirad, das vorne vor dem Fahrersitz eine schmale Sitzbank für ein bis zwei Personen hat) anzuschaffen, mit der Ehrenamtliche aus dem Pastoralen Raum ältere Menschen aus den Seniorenheimen spazieren fahren.

Die Ehrenamtlichen des Krankenbesuchsdienstes im Rahmen der Caritas führen bei den katholischen Gemeindemitgliedern, die 80 Jahre und älter sind, Geburtstagsbesuche durch. Soweit es die personellen Möglichkeiten zulassen, finden zusätzlich Besuche in Altenpflegeheimen statt.

Ehrenamt – im Mittelpunkt

Unabhängig von der künftigen Besetzung der Büros mit Mitarbeiter*innen, werden viele Aufgaben von Ehrenamtlichen übernommen. Die Ehrenamtlichen sind die tragende Säule unserer Pfarrei. Mit den ehrenamtlich Engagierten steht und fällt die Arbeit. Die Ehrenamtlichen benötigen

  • koordinierende Unterstützung und vor allem bedarf es
  • regelmäßiger Wertschätzung und Anerkennung ihrer Tätigkeit.

Auf die Gewinnung und professionelle Begleitung von Ehrenamtlichen ist ein stärkerer Fokus zu legen. In der heutigen Zeit, in der häufig beide Elternteile beruflich sehr eingebunden sind, oder in Familien mit einem Elternteil, ist die Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren stark eingeschränkt.

Ebenso verhält es sich mit den Jugendlichen (Jugendgruppen, Ministranten). Diese sind durch vermehrte schulische Anforderungen, Auslandsaufenthalte oder Aufnahme des Studiums außerhalb von Berlin, immer weniger in der Lage, sich einzubringen.

Es werden regelmäßig „Ehrenamtsbörsen“ zur Ansprache und Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen – auch „auf Zeit“ und „auf Zuruf“ – veranstaltet, Flyer ausgelegt und Poster in den Kirchenvorräumen ausgehängt.

Die Anerkennung und Begleitung der Ehrenamtlichen durch hauptamtliche Mitarbeiter*innen ist eine unerlässliche Voraussetzung für unsere offene, nach außen strahlende Pfarrei. Dessen ungeachtet, sind die besten Werbeträger*innen für das ehrenamtliche Engagement die ehrenamtlich Tätigen selbst. Für die Gewinnung, Koordinierung und Begleitung der Ehrenamtlichen ist ein gesonderter Stellenanteil einzuplanen.

Pfarrkirche, Verwaltungsbüro und Gremien

Die Pfarrkirche ist Herz Jesu; das zentrale Verwaltungsbüro wird im Pfarrhaus Herz Jesu, Riemeisterstraße 2, 14169 Berlin angesiedelt.

Neben dem zentralen, mit moderner technischer Ausrüstung ausgestatteten Pfarrbüro als Ansprechstelle für alle Fragen der Pfarrei, mit möglichst umfassenden Öffnungszeiten, werden die bisherigen Pfarrbüros beibehalten. Die personelle Ausstattung bleibt in der bisherigen Struktur bestehen.

Die Gremienstruktur ist wie folgt geplant: Herz Jesu/St. Otto sowie Zu den hl. Zwölf Apostel/St. Michael bilden jeweils einen Gemeinderat. Heilige Familie und St. Annen werden die Entscheidung zum Gemeinderat bis Ende des Jahres treffen. Zukünftige Änderungen in der Gemeindegliederung (z.B. neue Gemeinde) oder in der Gemeindeverwaltung (z.B. anderer Zuschnitt der Gemeinderäte) sind damit nicht ausgeschlossen.

Öffentlichkeitsarbeit – Wirken nach innen und außen

Für die neue Pfarrei mit den aktiven und lebendigen Gemeinden ist eine zielgruppenorientierte Kommunikation mit Gemeindemitgliedern (Ehrenamtlichen und nicht-Ehrenamtlichen) jeglichen Alters, aber auch mit Christ*innen und Nichtchrist*innen im Pfarrgebiet wichtig. Folgende Kommunikationsmittel sollen erhalten bzw. ausgebaut werden:

  • Eine identitätsstiftenden Kirchenzeitung jeweils für Herz Jesu/St. Otto, Heilige Familie/St. Annen, Zu den hl. zwölf Aposteln/St. Michael mit aktuellen, ortsgebundenen Informationen und Artikeln jeweils mit einem Teil Nachrichten aus der Pfarrei Don Bosco.
  • Eine aussagekräftige, lebendige, stets aktuelle Pfarrei-Website mit einer Übersicht der Gottesdienstzeiten und einer Verlinkung jeweils zu Herz Jesu/St. Otto, Heilige Familie/St. Annen, Zu den hl. zwölf Aposteln/St. Michael insbesondere im Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sollen die sozialen Medien wie WhatsApp etc. stärker genutzt werden.
  • Ein offenes Intranet soll alle Informationen der einzelnen Gemeinden transparent zur Verfügung stellen, hinzu kommt ein geschützter Bereich, auf welchen autorisierte Nutzergruppen Zugriff haben, um beispielsweise Ressourcenplanungen von jedem Standort aus durchführen zu können.
  • Darüber hinaus werden Informationen über Vermeldungen, Aushänge in den Kirchenvorräumen sowie in elektronischer Form an die jeweiligen Adressat*innen weitergegeben.
  • Um nach außen zu strahlen und ein breiteres Publikum anzusprechen, werden beleuchtete Schaukästen vor den Kirchen in Kombination mit digitalen Informationsstelen in der Nähe der Kirchen aber auch an verkehrsgünstigen Standorten angestrebt.
  • Weitere Sichtbarkeit soll durch regelmäßige Teilnahme am Tag der offenen Kirchen/ Tag der Nachbarn sowie lange Nacht der Kirchen erreicht werden.

Der Pastoralausschuss hat dem Pastoralkonzept am 5. Juni 2019 zugestimmt.